Die beiden Dorfgemeinschaften Warwara und Agaro Bushi liegen in einem sehr abgeschiedenen Gebiet des Kaffa Hochlandes, rund 460 km südwestlich der Hauptstadt Addis Abeba. Kaffa ist das Ursprungsland des Kaffeestrauches und somit auch das Herkunftsland eines unserer beliebtesten Getränke. Gleichwohl gehören grosse Teile des Kaffa Hochlandes zu den bedürftigsten und rückständigsten ländlichen Gebieten Äthiopiens. Äthiopien selber gilt als eines der ärmsten Länder Afrikas und nimmt laut dem UNDP Human Development Index 2011 Rang 174 von 187 aufgeführten Ländern ein.

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Rechnet man die zahlreichen umliegenden Weiler mit ein, zählen Warwara und Agaro Bushi ungefähr 6000 Einwohner. Die Bewohner sind arme Kleinbauern, die Subsistenz-Landwirtschaft betreiben. Das heisst, sie ernähren sich – mehr schlecht als recht – vom Anbau ihrer eigenen Produkte, halten sie ein paar Hühner und Schafe und, wenn’s gut geht zwei, drei Zeburinder. Ihre strohbedeckten Rundhütten liegen in Streubauweise eingebettet in der lieblichen, juraähnlichen Hügellandschaft zwischen 2200 bis 2500 m über Meer.

paesaggio capanna agricoltura

 

Das Paradies hat allerdings seine dunklen Seiten, denn die Lebensumstände sind äusserst prekär. Eine medizinische Grundversorgung ist kaum vorhanden, die einzige Grundschule ist hoffnungslos überfüllt (900 Kindern in acht Klassen), die nächstgelegene Sekundarschule ist vier Marschstunden weit entfernt. In den Dörfern unseres Einsatzgebietes fehlt es an jeglicher Infrastruktur: Es gibt keine Elektrizität, keinen Zugang zu sauberem Wasser, keine Strassenverbindungen. Einzig der Saumpfad stellt eine Verbindung zur Aussenwelt dar; der Fussmarsch bis zur Strasse unten im Tal dauert 5 bis 6 Stunden.

Die Auswirkungen dieser Lebensbedingungen sind unerträglich: In unserem Einzugsgebiet liegt die durchschnittliche Sterblichkeitsrate der Mütter 10x höher als der bereits sehr hohe Landesdurchschnitt Äthiopiens. Auch die Sterblichkeitsrate der Säuglinge und der Kinder unter 5 Jahren liegen weit über dem Landesdurchschnitt.

Ebenso schlimm steht es mit dem Niveau der Grundschulbildung. Nur knapp 29% der Kinder beenden die obligatorische Grundschule und weniger als 10% der Jugendlichen - grösstenteils Buben - schaffen einen Sekundarschulabschluss.

SAED ETIOPIA engagiert sich als einzige Nicht-Regierungs-Organisation in den Dorfgemeinschaften Warwara und Agaro Bushi. Obwohl unsere Mittel und Möglichkeiten in keinem Verhältnis stehen zu den enormen Bedürfnissen der Menschen und den Erwartungen, die sie in uns setzen, versuchen wir - in Zusammenarbeit mit der Bevölkerung – einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensumstände zu leisten damit auch diese Menschen ein Leben in Würde führen können.